Rezension “Der Ruf der Schneegans”

Der Ruf der Schneegans, Emons, 2006 | 224 Seiten |
ISBN 3-89705-748-7
Autor: Britt Reißmann


K.-G. Beck-Ewerhardy

“Dies ist der zweite Roman von Britt Reißmann bei Emons und ihr erstes Soloprojekt. Wieder steht die Kripo-Beamtin Thea Engel im Mittelpunkt des Geschehens, die den Leserinnen und Lesern bereits aus „Die Farbe des Himmels“ bekannt ist. Sie hat jetzt ihre Mutter in Stuttgart und wenn Familie vor den Festtagen schon normalerweise einigen Stress bedeutet, dann gilt das für Thea und ihre neu aufgefundene Mutter in verstärktem Maße. Beide sind sich unsicher, wie sie sich einander annähern sollen, beide haben das Gefühl, am anderen verlorene Zeit wieder gutmachen zu müssen und beide glauben, den anderen auf Grund ihres Verwandtschaftsverhältnisses wesentlich besser kennen zu müssen, als es auf Grund ihrer gemeinsamen getrennten Geschichte überhaupt möglich ist.

Der neue Fall, den die Vorweihnachtszeit präsentiert, macht diese Situation noch dadurch komplizierter, dass er Thea die ganze Zeit in Bewegung hält, so dass sie Verabredungen mit ihrer Mutter nicht immer einhalten kann und diese sich darüber hinaus wegen der Gefahren des Berufs ständig Sorgen um ihre gerade wieder gefundene Tochter macht. Sorgen, die Thea in ungewohnter Art einengen. Eine Situation, die auf jeden Fall zu einer klärenden Konfrontation führen muss.

Der Fall selber findet seinen Anfang mit der Leiche einer jungen Musikstudentin auf den Gleisen der Bahn, die von einem Nachtzug erfasst wird. Glücklicherweise hatte der Zugführer aufgepasst und frühzeitig eine Bremsung eingeleitet, so dass schon bei der ersten Anschau der Leiche am Fundort deutlich wird, dass die junge Dame bereits vor der Begegnung mit dem Zug das Zeitliche gesegnet hatte. Nun gilt es heraus zu finden, wie sie genau zu Tode gekommen ist und wer sie auf den Gleisen abgelegt hat.

Die Musikhochschule, eine Jugendband und ein Altenpflegeheim sind die Bereiche, in denen die neu ins Leben gerufene SoKo „Bahngleis“ ermitteln muss und dabei entwickelt sich in erster Linie das Bild einer allseits sehr beliebten intelligenten jungen Frau, deren Ermordung für niemanden richtig Sinn zu machen scheint. Wie jede Ermittlung verdeutlichen auch diese allerdings allerlei Spannungen und Anfeindungen innerhalb der jeweiligen Gruppierungen und auch zum Teil zwischen ihnen, da sich hier immer wieder unerwartete Verknüpfungen auftun. Als dann ein alter Indianer, mit dem die Ermordete gut bekannt gewesen war, tot aus einer Schleuse gezogen wird, beginnen sich die verschiedenen Verknüpfungen zu einem Netz zu verdichten, in dem der Täter oder die Täterin sich schließlich verfangen soll.

Ein netter Herbstkrimi und ein gelungener zweiter Teil für eine wahrscheinlich längere Serie, in dem die Hauptcharaktere mehr Volumen und Relief bekommen, ohne dass dabei der Kriminalfall ganz zur Hintergrundsmusik verkommt. Etwas, was nicht vielen zweiten Bänden einer Reihe gelingt.”


Brikada-Magazin für Frauen, 15.12.2006

“Die ehemalige Intarsienschneiderin und Sängerin beweist mit ihrem Kriminalroman ” Der Ruf der Schneegans” (Emos Verlag), dass sie auch das Schriftsteller Handwerk versteht.
Mit ihrem jüngsten Krimi “Ruf der Schneegans” legt Britt Reißmann einen locker-flüssige zu lesenden Roman mit reizvollem Stuttgarter Lokalkolorit vor. Die Figur der Ermittlern Thea Engel ist schlüssig gezeichnet, der Leser folgt ihr bereitwillig bei ihrer Fahndungsarbeit.
Die Stuttgarter Mordkommission muss in der Vorweihnachtszeit zwei äußerst merkwürdige Morde aufklären, nämlich den Tod einer jungen Musikstudentin und dem alten Mann im Pflegeheim. Zunächst scheint es keinen Zusammenhang zu geben. Aber im Laufe der Ermittlungen ergeben sich ungeahnte Verknüpfungen, deren Entwirrung spannend nachzulesen sind.
Ein Kriminalroman mit Tiefgang, aber auch mit der nötigen Prise Humor, ohne die es auch im wirklichen Leben nicht ab geht! Eine empfehlenswerte Unterhaltungslektüre!

Britt Reißmann arbeitet bei der Mordkommission Stuttgart. Sie veröffentlichte zahlreiche Kurzkrimis und einen Roman. Zusammen mit Silvia Hinzmann schrieb sie im Emos Verlag das Buch “Die Farbe des Himmels”.”


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