Rezension ” Die Farbe des Himmels”

Die Farbe des Himmels, Emons, 2005 | 223 Seiten |
ISBN 3-89705-401-9
Autoren: Britt Reißmann & Sylvija Hinzmann


Nürtinger Stadtzeitung Dezember 2005

“In Krimis, deren Schauplätze man kennt, kann man irgendwie selbst herumlaufen. Weinsteige, Calwer Straße, Pragsattel, ich gebe zu, meine Schwäche für Lokalprosa hat mich zu dieser Buchlektüre verführt.Der Krimi ist von Stuttgarterinnen geschrieben, die beide mehr oder weniger mit der Polizeiarbeit zu tun haben, also Insider sind.

Ein Textilfabrikant wird in seiner Villa erschlagen aufgefunden. Bei den Ermittlungen stößt die junge Kriminalbeamtin Thea Engel nicht nur auf ein Geflecht aus Lügen und Intrigen, sondern bald auf eine weitere Leiche. Die Handlung spielt auf zwei Ebenen, die sich am Schluss zu einem Strang zusammenfinden.

Gut beschrieben sind verschiedene schwäbische Charaktere, von der Hausfrau mit der Kittelschürze über den Beamten, der sein Pferdle lieber mag als seine Frau bis hin zur gehobenen Geldgesellschaft, die es in Stuttgart schließlich auch gibt.

Viele Querverbindungen bis hin zum Privatleben der ermittelnden Kriminalbeamtin machen den Krimi wendig und spannend. Die vielen gesponnen Fäden ergeben allerdings auch ein bisschen einen konstruierten Eindruck. Im echten Leben wären da schon arge Zufälle dabei. Aber es ist ja auch ein Krimi. Nicht fehlen darf natürlich das Salz in der Suppe, ein kleines, erotisches Techtelmechtel, das im Buch zwar jugendfrei bleibt, aber so angenehm beschrieben ist, daß es neidisch macht.”


www.sandammeer.at (K.-G. Beck-Ewerhardy; 09/2005)

“Die beiden Autorinnen haben mit ihrer Figur der Kommissarin Thea Engel eine junge Frau in die Krimilandschaft gestellt, die neben ihren rein berufsbedingten auch noch einige weiterführende Probleme mit sich herum schleppt. Als die “Neue” in der Abteilung für Gewaltverbrechen der Stuttgarter Kripo reicht es ihr eigentlich schon, sich mit ihrem Kollegen Messmer auseinandersetzen zu müssen, der als geschiedener Macho ganz enorm gegen ihre Hutschnur läuft. Hinzu kommt, dass sie noch nicht genug Gelegenheit hatte, sich an die hin und wieder auftauchenden Leichen in ihrem Berufsfeld zu gewöhnen, so dass ihr Magen nicht immer so mitspielt, wie er sollte. Doch auch das Single-Leben in der Stadt und ihre innere Unsicherheit als Waise, die in Heimen aufgewachsen ist, macht ihr das Dasein nicht gerade angenehmer.

In dieser Situation wird sie von der vorläufigen Betrachtung eines Selbstmords zu einem Totschlagdelikt in einer Sonnenberger Villa gerufen, wo Wolf Hauser, ein Textilunternehmer, offensichtlich mit einem leicht beschädigten Briefbeschwerer erschlagen wurde. Gefunden wurde er von seiner osteuropäischen Putzhilfe, die nicht übertrieben viel Hilfreiches über ihre beiden Arbeitgeber erzählen kann. Auch die gerade aus der Schweiz zurück kommende Ehegattin ist keine echte Unterstützung bei den Ermittlungen – und hinterlässt bei den ermittelnden Beamten ein eher ungutes Gefühl. Doch bei der Befragung der Nachbarn tauchen noch weitere mögliche Täter auf, so dass sich das Untersuchungsfeld weit öffnet.

Und so ermitteln Thea Engel und ihre Kolleginnen und Kollegen sowohl im geschäftlichen wie auch im privaten Bereich des Lebemannes und Glücksspielers, der hier sein Ende gefunden hat. Doch die Aufklärung des Falles kommt für alle Beteiligten aus gänzlich unerwarteter Richtung …

Es wird sehr viel gemenschelt – und ein wenig geschwäbelt – in diesem Roman, der die Ermittlungsarbeit der Kripo in diesem Zusammenhang ziemlich glaubwürdig darzustellen scheint, was vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache ist, mir aber ganz gut gefallen hat. Die Charaktere sind durchaus komplex gezeichnet und hinterlassen nicht den Gedanken an typische Kommissarinnen und Kommissare, wie man sie zur Genüge aus dem Fernsehen – und auch gerade aus den Regionalkrimis – gewohnt ist. Alles in allem ein überaus ansprechender Roman aus einer bisher eher weniger behandelten Ecke Deutschlands. “Die Farbe des Himmels” weckt sicherlich die Neugier auf weitere Abenteuer der Thea Engel.”


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